Freitag, 11. Dezember 2009

Gedanken zum Jahresende/Jahresbeginn


Geht es Ihnen auch so? Das nahende Jahresende ist überladen von Pflichten (Geschenke kaufen! Weihnachtsmenü überlegen!) und Stress (auf jeden Fall noch xy fertig kriegen. Und den Steuerberater anrufen! Und...).

Andererseits lädt der Dezember zu Rückblick und Vorausblick ein. Mich jedenfalls.

Vielleicht liegt es am Wetter oder der Dunkelheit. Oder eben doch daran, dass diese Zeiteinheit "ein Jahr" mal wieder dem Ende entgegen geht.

Irgendwo habe ich gelesen, dass man das Jahr mit einem Ritual ganz bewußt als komplett gelebt verabschieden solle, um das neue Jahr ohne Altlasten begrüßen zu können. Die Idee, ein Jahr als "komplett" zu erklären, gefällt mir. Auch wenn es natürlich immer so eine Sache ist, etwas (ein ganzes Jahr!) per Beschluss zu den Akten zu legen - andererseits, warum nicht? Besser als ewig mit Vergangenem zu hadern, scheint mir.

Ein Ritual, das ich seit vielen Jahren pflege ist, mich irgendwann zwischen den Jahren (ein wunderbarer Ausdruck, wie ich finde) mit allen Fotos zurückzuziehen, die ich im Laufe des Jahres gemacht habe. Und dann mache ich ein "best of"-Album. Was waren die schönsten, die wichtigsten, die berührensten Momente des Jahres? Welche Bilder müssen unbedingt ins Album, auch wenn deren fotografische Qualität nur mittelmäßig ist? Welche können draußen bleiben?

Inzwischen habe ich mehr als 10 solcher "Jahresalben". Manchmal blättere ich sie durch und bin ganz verblüfft, was sich z.B. 2005 alles in meinem Leben abgespielt hat. Man vergißt so viel (ich jedenfalls)! Alleine deshalb lohnt es sich, ab und zu inne zu halten und zu domumentieren.

Reicht mein Foto-Ritual aus, um das alte Jahr als "komplett gelebt" zu deklarieren?

Ich habe mir vorgenommen, mich zur Ergänzung nach dem Foto-Ritual noch mit einigen Fragen zu beschäftigen (schriftlich! Und das Ergebnis lege ich ins Fotoalbum. Damit ich in ein paar Jahren wieder erinnere, was mich 2009 beschäftigt hat):

- welche Veränderungen und Herausforderungen gab es 2009?
- was war nicht so schön, was war enttäuschend, was sollte im alten Jahr bleiben (wie kann ich das sicher stellen?)?

Und dann die große Frage: Was soll 2010 sein? Die üblichen Neujahrsvorsätze taugen nicht, das wissen wir alle.

Aber wie wäre es, sich ein Motto, ein Thema für das Jahr zu überlegen?
Im Blog einer amerikanischen Kollegin (Christine Kane) gibt es derzeit eine Serie zum "Wort des Jahres". Menschen, die sich ein Wort ausgesucht haben, das für 2009 eine Art Mantra sein sollte, schreiben darüber. Es klingt interessant. Das will ich einmal ausprobieren.

Was könnte das Wort Ihres 2010 sein?

Vorschläge von Christine Kanes Blog sind:
- Leuchten
- Mut
- Hoffnung
- Gesundheit

Ich muss noch ein wenig überlegen, unter welches Motto ich mein persönliches 2010 stellen will.

Was sind Ihre Rituale? Wie schließen Sie 2009 ab und bereiten sich auf 2010 vor?

Ich freue mich über jeden Kommentar.

Freitag, 2. Oktober 2009

Mission beendet

Heute Abend fahre ich weiter zu einer Freundin nach Porto Alegre (die Landeshauptstadt, hier ist auch der Flughafen), mein "Job" mit den Projekten ist soweit beendet. Ich habe hier schon darueber berichtet, dass alles besser lief, als erhofft.

Nun steht es an, abzuwarten und zu schauen, ob Ivan Scherdien, der Buergermeister von Turuçu, zu seinen Versprechen steht. Muss nicht sein, da habe ich schon manches erlebt. Aber nachdem das Gespraech mehrere Zeugen hatte und es auch um kuenftige Projekte geht, bin ich tatsaechlich optimistisch. Ich werde bei Gelegenheit berichten.

Gestern habe ich den Tag dann noch genutzt, um mit Elsa aufs Land zu fahren (hier ist eigentlich schon "auf dem Land", aber wir fuhren noch mehr ins Landesinnere - da wo man eine Stunde Auto faehrt, um 30km matschige Schlammpisten zu bewaeltigen...). Hier vesucht Guenter, Elsas Sohn, ein Oeko-Reservat aufzubauen.



Guenter ist einer dieser Menschen, die ich bewundere, weil er schon immer weiss, was er will. Naemlich den brasilianischen Urwald retten und einheimische Pflanzen vor dem Aussterben zu bewahren. Tiere auch, aber sein Herz haengt an den Pflanzen. Da er kein Geld hat (Geld verdienen ist das Letzte, was auf seiner Liste steht...) versucht er seine Grossmutter zu ueberreden, ihm ihr Land zu ueberlassen. Dona Hilda, die Grossmutter, hat einen grossen Hof, den sie alleine nicht mehr bewirtschaften kann. Aber Guenters Oeko-Ideen sind ihr suspekt. Also "erarbeitet" sich Guenter Stueck fuer Stueck das Land, indem er ungenutzte Ecken "umwidmet".



Seit langem hat er ausserdem eine oertliche Schule davon ueberzeugt, ihn als "Oekologie-Lehrer" einzustellen. Mit den Kindern geht er regelmaessig in die Natur, bringt ihnen bei, weche Pflanzen es gibt (das weiss aussser Guenter hier niemand), wofuer die Pflanzen zu nutzen sind etc. Nachdem es im Januar eine Flutkatastrophe gegeben hatte, hat er mit den Kindern Setzlinge ausgepflanzt, um die Umgebung der Fluesse vor dem Versanden zu schuetzen.

Derzeit hat er ein Stipendium fuer seine Masterarbeit, die daraus besteht, einheimische Urwaldfruechte zu kultivieren. Die Bauern sollen weg davon kommen, Monokulturen anzulegen und erkennen, welche Moeglichkeiten die einheimische Kultur bietet.

Es ist wirklich verrueckt. Brasilien ist so unendlich reich an Natur, und die wenigsten Menschen kennen sich damit aus. Allerdings ist in den letzten Jahren auch hier ein immer groesseres oekologisches Bewusstsein gewachsen, so dass eine gewisse Chance besteht. Aber dann ist hier auch soviel Armut. Und wenn man arm ist, ist einem der Urwald egal.

Umso wichtiger, das Guenter Moeglichkeiten entwickelt, wie man durch oekologische und nachhaltige Landwirtschaft Geld verdienen kann. Sieht nach einem langen Weg aus. Aber das ist Guenter egal. Naechstes Mal, wenn ich da bin, will er seiner Oma noch ein bisschen mehr Land fuer seine Projekte abgeluchst haben.

Dienstag, 22. September 2009

Die Macht von Einzelnen

Derzeit bin ich dabei, mich auf eine besondere Reise vorzubereiten: Am Freitag, den 25.September werde ich nach Süd-Brasilien reisen, genauer: Nach Turucu. Ich habe schon früher und an anderen Stellen über mein Engagement für Kinder und Jugendliche aus den ärmsten Familien dort berichtet (z.B. hier und hier). Wobei mein Engagement sich meist auf eine Begleitung aus der Ferne beschränkt.

Meine Freundin und Kollegin Elsa Timm ist diejenige, die in den letzten zehn Jahren in dieser kleinen Stadt Turucu mit ihrem Engagement und ihrer Kompetenz wirklich Erstaunliches bewirkt hat. So verhungert z.B. kein Kind mehr - keine Selbstverständlichkeit in Turucu. Jugendliche haben die Chance auf eine Ausbildung. Es gibt eine Baumschule, die einheimische Bäume anpflanzt, um den Urwald zu schützen. Und vieles mehr. Das alles war am Anfang ganz, ganz anders.


Viele Familien lebten und leben in solchen Hütten - zugig und undicht und voller Ungeziefer. Kein guter Ort zum Leben. Nicht für Erwachsene, aber erst recht nicht für Kinder.

Elsa wurde dabei von der langjährigen Bürgermeisterin Selmira (in Brasilien benutzt man nur die Vornamen) unterstützt. Selmira hat ihr ermöglicht, immer mehr Projekte ins Leben zu rufen, in dem sie das Personal dafür zur Verfügung gestellt und auch sonst sehr unterstützend war.

So gab es im Laufe der Zeit ein ganzes Team an Sozialarbeitern, Erziehern etc., die sich ebenfalls engagiert und kompetent und die Belange der Ärmsten gekümmert haben.


Elsa Timm (mitte), ihre frühere Stellvertreterin (links) und ihr früherer Sozialarbeiter (rechts)

Die anderen Mitarbeiter kenne ich nicht so gut, aber von Elsa weiß ich, dass ihr Engagement manchmal über ihre Kräfte geht, sie sich aber nie schont und erst recht nie beschwert. Im Gegenteil. Sie ist dankbar dafür, helfen zu können und gibt oft noch einiges von ihren bescheidenen Einkünften ab, damit eine Familie etwas zu essen bekommt.

Finanziert wurden alle Projekte über Spendengelder, die vom Verein Hilfe zur Selbsthilfe ehrenamtlich verwaltet und immer wieder großzügig ergänzt wurden. Außerdem prüft dieser Verein mit strengen Rahmenbedingungen, ob das Projekt noch den eigenen Kriterien entspricht (z.B. darf keinerlei Geld in Verwaltung fließen, alles muss den Kindern und Jugendlichen zu Gute kommen).

Das ist eine Kinder-Gruppe im "Kinderhaus", das komplett mit Spendengeldern aus Deutschland gebaut und ausgestattet wurden. Seit es existiert, können Kinder mittelloser Eltern hier tagsüber untergebracht werden. Sie bekommen regelmäßige Mahlzeiten, werden regelmäßig Ärzten zur Vorsorge vorgestellt und werden pädagogisch betreut. Die gesamte personelle Ausstattung wird von der Stadt Turucu übernommen. Im Kinderhaus können bis zu acht Kinder auch für längere Zeit leben, wenn sie z.B. kein Zuhause haben, von Eltern mißhandelt werden etc. Das Kinderhaus ist auch ein Segen für die Eltern, die oft selbst noch Jugendliche sind und durch die Betreuung ihrer Kinder die Möglichkeit bekommen, weiter zur Schule zu gehen und eventuell aus dem Teufelskreis der Armut auszusteigen.

Ich habe das Projekt immer wieder regelmäßig besucht und stehe auch in regem Mail-Austausch mit Elsa (darüber schreibe ich in einem gesonderten Blog).

Tja. Und nach all diesen erfolgreichen Jahren ist nun seit Anfang diesen Jahres der Wurm drin. Denn Bürgermeisterin Selmira konnte sich nach zwei Amtsperioden nicht mehr zur Wahl stellen. Und so wurde Ende November 2008 der Kandidat der gegnerischen Partei gewählt, seit Januar 2009 hat er das Amt inne. Elsa hatte schon im Vorfeld berichtet, dass sie große Angst um die Projekte hätte, sollte er gewinnen.

Wenn man so will, kam es dann sogar noch schlimmer als befürchtet. Ivan Scherdien, so heisst der neue Bürgermeister, machte eine Art Machtkampf aus den Projekten. Die Entscheidungen gingen nun gegen Elsa, nicht mit ihr. Vielleicht war es auch einfach nur Unwissenheit und Unerfahrenheit.

Wie auch immer: Er entließ sämtliche Mitarbeiter der Projekte (außer Elsa, das ging nicht, weil ihr Vertrag an die Projekte geknüpft ist, die er nicht verlieren wollte), setzte inkompetente Menschen ein, denen er wohl einen Gefallen schuldete (diese Wahrnehmung mag nur eine Boshaftigkeit von mir sein, aber...). Durch den Druck des Vereins konnte Elsa dann zumindest durchsetzen, dass zumindest zwei oder drei ihrer erfahrensten Kräfte weiter arbeiten konnten. Immerhin.

Manche der Projekte liegen seit der Amtsübernahme durch Ivan Scherdien auch brach, so wie die überaus erfolgreiche Schreinerei, ein Projekt für arbeitslose Jugendliche und körperlich und psychisch behinderte Menschen.

Kürzlich schleppt Elsa mehrere 10kg Säcke Reis alleine, die für die Kinder gedacht waren. Der Bürgermeister hatte allen untersagt, ihr zu helfen - und hatte wohl gehofft, dass sie aufgibt. Das wird sie nicht, so wie ich sie kenne. Aber so kann es ja nicht weiter gehen.

Ich bin fassungslos und schockiert, dass ein Mensch, der doch die Armut um sich herum sehen muss, seine Macht so destruktiv mißbaucht. Davon abgesehen kann man sich auch wundern, dass er von genau den Menschen gewählt wurde, denen er jetzt schadet, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Und wie um zu beweisen, dass ein Unglück selten allein kommt, kam dann Anfang des Jahres noch eine Naturkatastrophe dazu: Eine Überschwemmung zerstörte in wenigen Minuten viele der Hütten und das Eigentum von vielen der Bewohner von Turucu. Gerade in dieser Zeit wären funktionierende Projekte doppelt wichtig gewesen, aber so war es eben nicht.

Was in 10 Jahren aufgebaut wurde, konnte trotz allem glücklicherweise noch nicht wirklich zerstört werden, aber es geht in diese Richtung. Ich habe dem Verein geraten, keine Spenden nach Turucu zu senden, bis klar ist, was dort eigentlich los ist und vor allem, wei es dort weiter gehen kann.

Das ist der Grund für meine Reise: Ich muss und will alles mit eigenen Augen sehen, mit den Menschen sprechen und vor allem, mich mit mit Elsa zusammen setzen und beraten, welche Möglichkeiten es gibt. Vielleicht finden wir einen Weg, den Kindern und Jugendlichen der Region weiter zu helfen, die unabhängig von einer Stadt (mit regelmäßig wechselnden Bürgermeistern...) ist.

Denn die Macht von Einzelnen ist enorm, das hat mir die Erfahrung dieser Jahre gezeigt: Einzelne können unglaublich viel im Guten, aber auch im Negativen bewirken. Und wenn ich ein bißchen etwas dazu beitragen kann, dass die Wagschale wieder zum Guten kippt, dann will ich das auf jeden Fall versuchen.

Sonntag, 9. August 2009

Stark durch Coaching?

In einer Blogparade hatte ich im April/Mai diesen Jahres dazu aufgerufen, sich Gedanken darüber zu machen, ob Coaching etwas bewirkt. Ob tatsächlich auch (oder gerade?) in einer solchen Krisensituation, wie sie von Wirtschaftsmenschen seit einiger Zeit beschworen wird, Coaching sinnvoll ist. Oder sogar stärken kann? Um diese Zeit besser zu überstehen?

Stark durch Coaching?
war die Frage. Und es gab einige interessante Anmerkungen und Ideen dazu.

Inzwischen - leider mit einiger Verzögerung - habe ich die gesammelten Antworten in einer bunten, etwas chaotischen (wie eben das Leben so ist...) PDF-Datei zusammen gefasst.


Hier können Sie die PDF-Datei herunter laden.

Freitag, 7. August 2009

Coaching macht Sinn!

Der Coaching-Skeptiker Joachim Funke hatte bei meiner Blogparade "Stark durch Coaching" ein Lebenstempo-Coaching bei Petra Schuseil gewonnen (die - nebenbei bemerkt - gerade aus HongKong zurück gekehrt ist: Herzlich willkommen!).

Gestern fand nun das Coaching statt: Joachim Funke war hellauf begeistert und hat sein Urteil über Coaching (und vielleicht auch über die Relevanz des Lebenstempo-Themas?) revidiert.

Coaching für Professoren! Fordert er nun in seinem Blog-Beitrag über das Coaching. Und überhaupt für alle, die kreativ und engagiert arbeiten, möchte ich hinzufügen. Coaching bringt wirklich was und es freut mich sehr, dass Joachim Funke dies durch seinen Gewinn erfahren konnte.

Freitag, 24. Juli 2009

Flugangst zum Sonderpreis loswerden!

Ich bin dabei, mich bzw. meine Angebote und Schwerpunkte neu zu sortieren - ab Herbst werde ich mich z.B. vom Thema "Flugangst" verabschieden. Nach dem Motto: Zehn Jahre sind genug. Und: Platz für Neues schaffen.


Bis dahin - genauer gesagt: Bis Ende September - gibt es den bewährten und von vielen hoch geschätzten Online-Flugangst-Kurs um bis zu 50% billiger. Hier gibt's mehr dazu.

Wer immer noch Flugangst hat, sollte also schleunigst zugreifen. Es hilft wirklich! Hier gibt's z.B. eine Kundenstimme zum Kurs.

Sonntag, 12. Juli 2009

Der Körper vergisst nicht

Spannend, sehr spannend: Es gibt inzwischen deutliche wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, dass sich (vor allem: Frühe) Erlebnisse tatsächlich in den Körper "einbrennen" - so dass das Immunsystem und sogar das Erbgut davon betroffen ist. Mich wundert das ehrlich gesagt nicht.

In meiner Praxis sehe ich immer wieder körperliche Erkrankungen, für die die Medizin keine Erklärung und vor allem auch keine Heilung findet - die aber durch das Leben der Betroffenen durchaus zu verstehen sind. Auch die Psychologie hat natürlich nicht immer Antworten parat, aber oft kann man durch Psychotherapie doch viele Schritte weiter kommen.

Ingrid Glomp ist promovierte Biologin und Wissenschaftsjournalistin. Sie hat einen spannenden Artikel über das Thema geschrieben, der gut recherchiert und in der aktuellen "Psychologie Heute" veröffentlicht ist.